Sonntagskochen mit Science und Pop

Dass Kochen eine Wissenschaft sein kann ist wohl nichts neues.
Dass es der Wissenschaftskommunikation dienen kann, hat sich über den Physiker Werner Gruber ( Physik von Gulasch, Osterei, Weihnachtsbraten und Co.) auch in Österreich herumgesprochen .
„Molekulargastronomen“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Molekulargastronomie) wie der Franzose Hervé This oder der Brite Peter Barham machen aber noch etwas ganz anderes: Sie arbeiten eng mit Köchen zusammen, analysieren tradierte Küchenweisheiten. Auf dieser Weise wird Wissenschaft auf Augenhöhe mit einer anderen Rationalität (der Erfahrung und dem traditionellen Wissen der Köche) betrieben, mit (Erkenntnis-) Gewinn für beide Seiten (neue Küchentechniken, Lebensmitteltechnologien...) .Die Molekulargastronomie nimmt sich als Wissenschaft ernst, sieht aber auch die Wissenschaftspopularisierung als eine ihrer zentralen „Anwendungen“. Eine ausführliche Definition der Disziplin gibt Hervé This unter:
http://www.college-de-france.fr/chaires/chaire10/page_herve/Molecular_Gastronomy.pdf

Eine umfangreiche Liste englischsprachiger Publikationen zum Thema findet sich hier:
http://folk.uio.no/lersch/mat/index.e.html

Zum Einstieg sei wärmstens Hervé This „Rätsel und Geheimnisse der Kochkunst“ empfohlen: Es hat meine Schwierigkeiten eine homogene Sauce Hollandaise zu erzeugen behoben und mich vom „beim Anbraten schließen sich die Poren“ –Mythos befreit:
http://www.amazon.de

Als populäres Nachschlagewerk für Produktwissen und Küchentechnik ist Harold McGee´s http://curiouscook.com/cook/home.php „On food and Cooking. The science and lore of the kitchen“ meiner Meinung nach unerreicht, trotz der leichten USA-Zentriertheit der Perspektive.
Schön fände ich ein „eurozentrisches“ Gegenstück zu schaffen... Ideen, Kritik und MitmacherInnen willkommen.
taschwer - 2. Jul, 17:27

Als Desserts noch ein Link in eigener und einer in fremder Sache. heureka hat vor fünf Jahren schon einmal ausführlicher über das französische Original und die österreichische Version berichtet:

http://www.falter.at/heureka/archiv/01_5/03.php

Im Übrigen setzen insbesondere spanische Spitzenköche – und da besonders Ferran Adrià – von der Kulinarik her kommend ganz auf WIssenschaft. Vgl. u.a.
http://www.zeit.de/2001/45/200145_die_hexerkueche.xml

haraldz - 4. Jul, 22:45

Anfänge der Molekulargastronomie

Apropos Original: der erste Molekulargastronom war wohl Nicholas Kurti, geboren 1908 in Budapest. Nach der Flucht aus Ungarn (vor antisemitischen Gesetzen) studierte er erst an der Sorbonne, erwarb dann seinen Doktor in Physik in Berlin. Von dort musste er vor den Nazis nach Oxford flüchten. Während dem 2. Weltkrieg arbeitete er an der Atombombe mit, um danch wieder nach Oxford zurückzukehren. Mit aufsehenerregenden Niedrigtemperaturexperimenten erwarb er sich nach Kriegsende wissenschaftlichen und mit einem umgekehrt gebackenen Omelette surprise (aussen kalt und innen heiß!) kulinarischen Ruhm.
Bereits am 14. März 1969 zeigte er bei einer Sitzung der Royal Institution vor laufenden BBC Kameras wie man mit Ananassaft vollendet zarten Schweinebraten machen kann. (Hervé This war damals gerade 14 Jahre alt ).
Ein anwesender Starkoch (Michel Roux) fand das Ergebnis nicht überzeugend, lobte aber die Kruste mit den Worten " "but the crackling is superb!"
Kurti machte daraus den Titel seines 1988 erstmals erschienen Buches zum Thema molekulare Gastronomie:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0852743017/qid=1152043963/sr=8-2/ref=sr_8_xs_ap_i2_xgl/028-3014553-4582940

Kurti hielt hielt gemeinsam mit Hervé This 1992 in Erice in Sizilien das erste internationale Kolloquium für molekulare und physikalische Gastronomie ab, daß sich mit dem Thema befasste, wie und warum Soufflés aufgehen.
Diese schöne Veranstaltung gibt es dort seither jeden zweiten Sommer. Heuer (2006) fand sie (mittlerweile zum Ruhme des am 24. November 1998 verstorbenen Kurti "International Workshop on Molecular Gastronomy 'N. Kurti' benannt ) vom 6- 10 Mai statt.

Ein Stimmungsbild von der Veranstaltung 2004 findet sich unter:
http://zeus.zeit.de/text/2004/33/N-Kochwissenschaft


Die Kurti- Bio auf Wikipedia:
http://en.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Kurti
Nikola Langreiter - 5. Jul, 15:05

Nicht mehr ganz taufrisch

aber trotzdem sehr nett: die Webseite des Physikers Werner Gruber "Kulinarische Physik"
http://kochen.exp.univie.ac.at/index.html

Mit einer äußerst komplexen Antwort auf die Frage „Wie lange kocht man ein 3-Minuten-Ei?“, bis zu Rezepten etwa – nächste Weihnachten kommen bestimmt – einem physikalischen Xmas-Menü und außerdem recht plausiblen Erklärungen zu Begriffen wie Viskosität oder Konvektion.

Klar gibt's auch Experimente – z. B. und extra für Haraldz:

„Fleischporen: Die Meinung, daß es Fleischporen gibt, die durch einen massiven Temperatureinfluß geschloßen werden, beruht auf einen Irrtum des Chemikers Justus von Liebig. Diese Fleischporen gibt es nicht. Mit einem einfachen Experiment kann man dies einfach überprüfen: Ein Stück Fleisch wird bei sehr hoher Temperatur frittiert, dann legt man es einfach auf den Teller. Nach ein paar Minuten nimmt man das Fleisch weg und am Teller bleibt etwas Saft. Wenn es Poren gäbe, die man verschließen könnte, dann dürfte es keinen Fleischsaft geben.“

Martin Lersch - 8. Aug, 23:20

Website dedicated to molecular gastronomy

The site (previously located at http://folk.uio.no/lersch/mat and linked to from this page) has now been moved to a new site:

http://khymos.org

It's a website dedicated to molecular gastronomy and the science of cooking and it's has comprehensive lists of books and links related to molecular gastronomy. The greek word khymos has links both to chemistry and food - put simple, that's what khymos.org is all about.

haraldz - 30. Aug, 08:26

Molekulargastro-Blog

Die Kollegen von Gourmetrics http://www.gourmetrics.de/ haben sich dem Bloggen zum wissenschaftlichen Kochen verschrieben....