Auf der Südroute von wahrfalsch

Bei den Temperaturen auf in den Süden und dann wartet noch harte Arbeit auf uns (5 Scico-Mitglieder). Ich bin mit einer hohen Erwartung zu den Stationen Wett-Lauf, Büro für wissenschaftliches Strandgut, Peer Review und Selbstbedienung gegangen. Viel Marketing im Vorfeld für die Ausstellung, gut gestaltete Ausstellungsfolder, verständliche Texte, gute Themen und witzige Überlegungen/Titel. Nach den vier Stationen war die Meinung in der Gruppe gespalten, bei mir blieb ein schaler Geschmack zurück.

Kritikpunkt 1: Die Wissenschaftsausstellung ist auf eine marginal kleine Zielgruppe ausgerichtet (WissenschaftskommunikatorInnen, Personen, die in der Wissenschafts-PR arbeiten, Personen, die an einzelnen Themen interessiert sind). „Laufkundschaft“ oder „breite Öffentlichkeit“ wird sich kaum zu den elf Stationen verirren. Ich kenne keine Besuchszahlen. Während wir bei den vier Stationen waren, war Frequenz Null (Donnerstag zwischen 17 und 19.30 Uhr waren wir unterwegs). Anders sieht es vielleicht bei den Führungen und Veranstaltungen aus (Für mich stellt sich auch die Frage: Wieviel kostet die wahrfalsch-Ausstellung?). Damit komme ich schon zu Punkt 2:

Ohne „Führung“ ist die Ausstellung nicht zu machen. Ich habe einen Input gebracht, sei es beim Strandgut durch Judith Kröll (Danke für deine Einführung!) und bei den anderen durch die jeweiligen Betreuer (mehr oder weniger intensiv).

Kritikpunkt 3: Die Orte sind witzig gewählt, aber funktionieren sie immer? Strandgut-Container okay (Container lädt halt nicht ein zum Reingehen), Künstlerhaus-Passage durchschnittlich, Peer Review gegenüber vom FWF (gibt dem Ganzen einen Kick), aber eine Baustelle (gewollt?), die einen rasch wieder raustreibt - aus Angst, dass einen die Decke auf den Kopf fällt. Für Selbstbedienung ein Lokal am Viktor-Adler-Markt zu mieten, Grandiose Idee, nur geht von der dortigen Klientel niemand rein.

Kritikpunkt 4: Grandiose Themensetzung: Büro für wissenschaftliches Strandgut beeindruckt und macht betroffen. Wett-Lauf witzig aufgearbeitet, PeerReview (wenn man es versteht mit dem Herumgehen im Raum) schöne Idee, gibt aber für eine Station zu wenig her. Wird in den Veranstaltungen ergänzend aufgearbeitet. Selbstbedienung nette Idee mit dem Essen und Tagebüchern.

Kritikpunkt 5: Hat mir nicht Lust auf mehr Stationen gemacht, auf die Vertiefung einzelner Themen (Asylsuchende – Wissenschaftler – rechtliche Situation) schon. Vielleicht schaue ich mir noch eine Station im Rahmen einer Veranstaltung an.
taschwer - 28. Jun, 10:47

Weniger wäre mehr gewesen

Mir ging es ähnlich. Auch in meiner Brust schlagen zwei Seelen, die des Wissenschaftsforschers und die des Journalisten. Aus der Warte des Wissenschaftssoziologen ist das alles gut und richtig gedacht und in seiner Komplexität dargestellt. Nur an der Vermittlung hapert es. Zu Beispiel die vielen Stationen... die kosten zu viel Zeit, sind zu verstreut und machen die BesucherInnen (und die StationsaufpasserInnen) noch einsamer als sie eh schon sind. Ein zentraler Ort wäre besser gewesen. Auch die konkrete Umsetzung ist inhaltlich hoch avanciert – aber zu kompliziert. Zumindest bei den Dingen, die ich sah. Doping zu Beispiel ist eine intelligente bunte Bleiwüste mit einem nicht-funktionierenden Mäuserennen. Die Ess-Tagebücher sind beeindruckend. Aber wer hat schon Zeit und Muße, das auch nur in Ansätzen durchzuackern.