Im rot-gelb-roten Fahnenmeer

Rot-gelbe Flaggen

Freitag, 9.7. Essen mit meinem Kollegen im zu recht gerühmten Cinc Sentits. Was für ein Wochenende bevorstehe, sagt er. Morgen die große Demonstration hier in Barcelona und am übermorgen das WM-Endspiel. Am Samstag wird die Stadt voller katalanischer Flaggen sein, am Sonntag wird überall die spanische geschwenkt werden. Jene der Franco-Diktatur also, die nach dem Ende seines Herrschaft nur kosmetisch verändert wurde. Die der spanischen Republik von 1931 sei ja nicht wieder eingeführt worden. Die Spiele schaut er sich nicht an, das könne er nicht ertragen, obwohl dort quasi der FC Barcelona spielt, ergänzt um ein paar Spieler, die heimliche Nationalmannschaft Kataloniens.

Samstag, 10.7. Barcelona erlebt die größte Demonstration, zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen werden gezählt. „Wir sind eine Nation“ heißt der Slogan, „Auf Wiedersehen“ Spanien ein anderer. Der Protest gilt der Entscheidung des Madrider Verfassungsgerichts, wesentliche Teile des sogenannten „Estatut“ zu kappen. Vier der fünf großen Parteien rufen zur Teilnahme auf, die Unabhängigkeit fordert aber nur eine. Die Wut über das „Diktat aus Madrid“ ist groß.

Sonntag, 11.7. Ich fahre nach Burgos und schaue mir dort am Abend das WM-Endspiel auf der Plaza Mayor an. Seit Stunden ist die Stadt völlig aufgekratzt. Endlich, in der 116. Minute die Erlösung. Tausende Menschen liegen sich in den Armen, am Ende singen sie „We are the Champions“. Königin Sofia gratuliert vor Ort. Xavi und Pujol haben sich bei der Feier auf dem Platz auf einmal in die katalanische Flagge gewickelt. Klar, als der FC Barcelona vor zwei Monaten spanischer Meister wurde, skandierten im Camp Nou alle Spieler, auch die die nicht aus Katalonien stammen, „Visca Barca, visca Catalunya“.

Montag, 12.7. Die Königin befindet sich auf dem Rückflug, schon am Dienstag muss sie nach Burgos. Dort wird das niegelnagelneue Museum für menschliche Evolution eröffnen. Wir Journalisten werden heute Vormittag schon mal durch die berühmte Grabungsstelle im nahen Atapuerca geführt und am Nachmittag durch das Museum. In Atapuerca wurden die bei weitem ältesten menschlichen Fossilien in Europa gefunden. Das sündhaft teure Museum wird sie nun beherbergen. Die ersten Spanier, sozusagen. Flaggen wurden in Atapuerca noch nicht gefunden, dafür aber eindeutige Belege für Kannibalismus.

Fortsetzung folgt.

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