GueSt - 8. Mrz, 09:49

dicker Hals

No fein, Lerneffekte bei den an sich ja ach so unbelehrbaren Journalisten erzielen. Nicht via Konfrontation sondern - äh, wie eigentlich? Bedrohungslos mit dem Zeigefinger wacheln? Naming ohne Shaming?

Und das mit Hilfe von 60.000 Euro!! WTF?! Woher kommen die denn? Von Pharma vielleicht? Wäre ja ein unglaublicher Zufall, oder? Von Spendern vielleicht, die sich ganz selbstlos und volle menschenfreundlich ausschließlich um die "Qualität" von Berichterstattung sorgen – wobei sie natürlich bei der Formulierung der Qualitätskriterien mitreden dürfen? Diese Sorgen wird mir Wormer hoffentlich nehmen können, der ist ja schließlich nicht irgendwer. Trotzdem: Mir bleibt gleich der Brezel im Hals stecken.

Wie wär’s mal mit ner 60.000 € Stiftung, um die Qualität von (Pharma)-PR zu durchleuchten? Oder ist da alles zum Besten bestellt? Glaub kaum. Allein die Selbstkontrolle

http://www.prethikrat.at/

hat seit ihrer Gründung im Dez 2008 schon 15 Vergehen behandelt, also mehr als eines pro Monat. Meldung vom Freitag:

"In 11 Fällen ging es um Verstöße gegen § 26 MedG
bzw. §§ 9 und 10 des Ehrenkodex des PRVA – also die Kennzeichnung entgeltlicher Veröffentlichungen
sowie Koppelungsgeschäfte."

(Die Windeln für den Standard
http://derstandard.at/1266541306211/Enuresis-Das-Schweigen-der-Bettnaesser
sind da wahrscheinlich noch gar nicht mitgezählt.)

Oder noch besser: Wie wär’s mit einem Medizin-Studien-Watch?? Wie wir neulich hier

Moher D, Schulz KF, Simera I, Altman DG (2010) Guidance for Developers of Health Research Reporting Guidelines. PLoS Med 7(2): e1000217.doi:10.1371/journal.pmed.1000217

gelernt haben, sind ja die Hälfte aller Reports "Inadequate" (Kleines Sample). Komisch, dass nur Taschwer diese schier unglaubliche Geschichte mitgekriegt hat.

Zufall natürlich auch, dass es leider, leider völlig unmöglich sein wird, für ein Studien-Watch-Blog Geld aufzustellen.

Schwitzer ist vor allem um die richtige Übersetzung von Studien bekümmert. Implizit geht er vom alten Einbahnsystem "Wissenschaft -> "Journalismus-als-Transmissionsriemen" -> Lernbegierige Gesellschaft" aus. Wenn nun der (alte) Fisch schon am Kopf zu stinken beginnt, wie soll dann hinten was Duftendes rauskommen?

Grrrrr

Eine Journalismus-Watch-site, die nach meinem Wissen nicht von 60.000 Sponsoren-Euronen sondern von der Emsigkeit eines motivierten Journalisten getrieben wird, gibt es übrigens hier:

http://ksjtracker.mit.edu/category/germanksjt/

Das ist natürlich ausbaufähig, aber Anstöße für journalistisch geführte Qualitätsdiskussionen wird es imho eher von einem derartigen Blog geben als von einem Schwitzer-Klon.

Spasday

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