ist augenscheinlich ein Koppelgeschäft: Inserat von Windelfirma gegen einen (in sich auch noch widersprüchlichen) redaktionellen Text übers Bettnässen. Dass auf die „Unterstützung“ der Windelfirma für die „Themenserie“ hingewiesen wird, macht die Sache nur um eine Winzigkeit besser.
Derart offenkundige Koppelgeschäfte gab es bisher nur in Regionalblättern: Autohauseröffnungsbericht gegen Auto-Inserat etc. Dass sowas jetzt auch in der Qualitätspresse passiert, ist aber nur auf den ersten Blick erstaunlich. Tatsächlich musste es früher oder später einfach passieren. Der Dammbruch ist lediglich der logische nächste Schritt nach all den depperten „Kooperationen“ wie sie in den Wissenschaftsbeilagen von Presse und Standard seit Jahren üblich sind.
Bei diesen Kooperationen zahlen Sponsoren einen Betrag und können sich im Gegenzug drauf verlassen, pro Jahr so und so oft erwähnt zu werden. Logisch, dass die so entstandenen Geschichten nicht besonders kritisch sind. Logisch, dass im Wesentlichen Projekte im Maßstab 10:1 verfeatured werden. Denn es muss ja das Kommunikationsbedürfnis des Sponsors befriedigt werden. Dieses Bedürfnis besteht darin, die geleistete Arbeit zu präsentieren, die erhaltenen Subventionen zu rechtfertigen. Es soll breite öffentliche Zustimmung für Wissenschaft und Forschung erkauft werden.
Die Verleger machen aus diesem Anliegen ein Geschäft. Sie verkaufen ihren Sponsoren aber nicht etwa Anzeigen. Sie verkaufen Berichterstattung. Sie lassen auf ihren Kooperationsseiten PR verbreiten, allerdings unter dem guten Namen/Labels ihrer Zeitungen. Diese Mogelpackung suggerieren dem Leser unabhängigen Journalismus. Und das ist genau der Mehrwert, den die Qualitäts-Herausgeber vermarkten.
Die Leser bekommen statt unabhängigem Journalismus also gekaufte Themen und statt spannender Geschichten die fade Abwicklung von Kooperationsverträgen. Ich stelle mir das ungefähr so vor:
Redakteur 1: „Oha, der Sponsor XY hat sich schon bei den Anzeigenverkäufer/Kooperationskupplern beschwert, er ist erst sechs mal vorgekommen, bezahlt hat er aber für zehn Geschichten.“
Redakteur 2: „Ja, aber XY macht so fade Sachen. Statt dessen könnten wir doch…“
Redakteur 1: „Nix da, wir müssen unser Plansoll erreichen.“
Immerhin: Wenn z.B. die ÖAW zahlt, kann die Redaktion aus dutzenden Projekten – „in völliger redaktioneller Unabhängigkeit" – wählen. Es gibt also immerhin ein Fuzi-Freiheit in der großen Unfreiheit.
Bei der Windelgeschichte gabs wohl nicht einmal diese Rest-Freiheit. Bleah, Standard, brauchst für eine Bettnässer-Geschichte finanzielle Unterstützung von einem Windelhersteller! Schäm Dich!
Und die Autorin der Geschichte? Die wird von den Hunden gefressen, weil ihr Artikel gekauft ausschaut – ob sie nun von der Kooperation gewusst hat, oder nicht. Dabei kriegt sie nur ein lächerliches Zeilenhonorar.
Fazit: Die Bettnässer schämen sich, Autorin schämt sich, nur der Standard nicht, der ist bei seinen Kooperationsbedingungen offenbar schamlos.
Verstehe einfach nicht, warum es bei Gesundheit/Wissenschaft so eingerissen ist, dass es Geschichten bzw. Seiten nur noch gegen Sponsoren-Kohle gibt. Nach diesem Verständnis brauchen Wissenschaft und Gesundheit offenbar keine redaktionelle Unabhängigkeit. In allen anderen Ressorts ist diese Unabhängigkeit selbstverständlich – oder wenigstens wird sie nicht so offenkundig über Bord geworfen wie hier.
Oder kriegen wir jetzt nur noch Berichte über die Regierungsklausur in Graz, wenn das BKA was zahlt dafür?
Apropos: Zustand des Medizinjournalismus
http://derstandard.at/r4861/Familie
ist augenscheinlich ein Koppelgeschäft: Inserat von Windelfirma gegen einen (in sich auch noch widersprüchlichen) redaktionellen Text übers Bettnässen. Dass auf die „Unterstützung“ der Windelfirma für die „Themenserie“ hingewiesen wird, macht die Sache nur um eine Winzigkeit besser.
Derart offenkundige Koppelgeschäfte gab es bisher nur in Regionalblättern: Autohauseröffnungsbericht gegen Auto-Inserat etc. Dass sowas jetzt auch in der Qualitätspresse passiert, ist aber nur auf den ersten Blick erstaunlich. Tatsächlich musste es früher oder später einfach passieren. Der Dammbruch ist lediglich der logische nächste Schritt nach all den depperten „Kooperationen“ wie sie in den Wissenschaftsbeilagen von Presse und Standard seit Jahren üblich sind.
Bei diesen Kooperationen zahlen Sponsoren einen Betrag und können sich im Gegenzug drauf verlassen, pro Jahr so und so oft erwähnt zu werden. Logisch, dass die so entstandenen Geschichten nicht besonders kritisch sind. Logisch, dass im Wesentlichen Projekte im Maßstab 10:1 verfeatured werden. Denn es muss ja das Kommunikationsbedürfnis des Sponsors befriedigt werden. Dieses Bedürfnis besteht darin, die geleistete Arbeit zu präsentieren, die erhaltenen Subventionen zu rechtfertigen. Es soll breite öffentliche Zustimmung für Wissenschaft und Forschung erkauft werden.
Die Verleger machen aus diesem Anliegen ein Geschäft. Sie verkaufen ihren Sponsoren aber nicht etwa Anzeigen. Sie verkaufen Berichterstattung. Sie lassen auf ihren Kooperationsseiten PR verbreiten, allerdings unter dem guten Namen/Labels ihrer Zeitungen. Diese Mogelpackung suggerieren dem Leser unabhängigen Journalismus. Und das ist genau der Mehrwert, den die Qualitäts-Herausgeber vermarkten.
Die Leser bekommen statt unabhängigem Journalismus also gekaufte Themen und statt spannender Geschichten die fade Abwicklung von Kooperationsverträgen. Ich stelle mir das ungefähr so vor:
Redakteur 1: „Oha, der Sponsor XY hat sich schon bei den Anzeigenverkäufer/Kooperationskupplern beschwert, er ist erst sechs mal vorgekommen, bezahlt hat er aber für zehn Geschichten.“
Redakteur 2: „Ja, aber XY macht so fade Sachen. Statt dessen könnten wir doch…“
Redakteur 1: „Nix da, wir müssen unser Plansoll erreichen.“
Immerhin: Wenn z.B. die ÖAW zahlt, kann die Redaktion aus dutzenden Projekten – „in völliger redaktioneller Unabhängigkeit" – wählen. Es gibt also immerhin ein Fuzi-Freiheit in der großen Unfreiheit.
Bei der Windelgeschichte gabs wohl nicht einmal diese Rest-Freiheit. Bleah, Standard, brauchst für eine Bettnässer-Geschichte finanzielle Unterstützung von einem Windelhersteller! Schäm Dich!
Und die Autorin der Geschichte? Die wird von den Hunden gefressen, weil ihr Artikel gekauft ausschaut – ob sie nun von der Kooperation gewusst hat, oder nicht. Dabei kriegt sie nur ein lächerliches Zeilenhonorar.
Fazit: Die Bettnässer schämen sich, Autorin schämt sich, nur der Standard nicht, der ist bei seinen Kooperationsbedingungen offenbar schamlos.
Verstehe einfach nicht, warum es bei Gesundheit/Wissenschaft so eingerissen ist, dass es Geschichten bzw. Seiten nur noch gegen Sponsoren-Kohle gibt. Nach diesem Verständnis brauchen Wissenschaft und Gesundheit offenbar keine redaktionelle Unabhängigkeit. In allen anderen Ressorts ist diese Unabhängigkeit selbstverständlich – oder wenigstens wird sie nicht so offenkundig über Bord geworfen wie hier.
Oder kriegen wir jetzt nur noch Berichte über die Regierungsklausur in Graz, wenn das BKA was zahlt dafür?