Der Wissenschafter des Jahres wundert sich

Noch ein kleiner Beitrag zur Diskussion um die Kriterien, nach denen die Auszeichnung "Wissenschafter des Jahres" vergeben wird. Diesmal vom heute Ausgezeichneten selbst, dem wissenschaftlich hoch verdienten Quantenphysiker Rudolf Grimm von der Universität Innsbruck. Langsam wird es ein bisschen peinlich.

Frage: Waren Sie sehr überrascht, dass Sie von den Mitgliedern des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zum österreichischen Wissenschafter des Jahres gewählt wurden?

Rudolf Grimm: Ja, ich war total überrascht. Ich hab mir dann angeschaut, an wen diese Auszeichnung verliehen wird – nämlich an Forscherinnen und Forscher, die sich „besonders um die leicht verständliche Vermittlung ihrer Arbeit verdient gemacht und damit auch das Image der österreichischen Forschung in der breiten Öffentlichkeit gehoben haben“. Da musste ich schon überlegen, warum ausgerechnet ich diesen Preis gekriegt habe und was der Grund für die Auszeichnung gewesen sein könnte.

P.S.: Dabei war Grimm ja einmal ein echter Popstar: Als Mitglied einer der höchst gelobten Bands der Neuen Deutschen Welle, nämlich: Bärchen und die Milchbubis, vgl. http://www.baerchen-und-die-milchbubis.de/Seite11.html
jupe - 2. Feb, 11:24

das ist wirklich eine gute antwort, kicher!

aber auch der subtext: "ich habe mich nicht um die leicht verständliche vermittlung gekümmert ... - also warum bekomme ich den preis???"

außer vielleicht dafür, dass er ein herausragender wissenschaftler ist und ein spitzeninstitut der öaw mit-dirigiert.

ich schließe mich taschwers fragen an: was ist also das kriterium für den preis?

kremling - 5. Feb, 14:50

Also meinem Wissen nach soll der Preis des Klubs nach Möglichkeit beides auszeichnen: wissenschaftliche Leistung einerseits und die Fähigkeit und das Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum zu vermitteln, andererseits.
Selbst wenn man mit dem Verfahren und einzelnen Geehrten unzufrieden ist, sollte man anerkennen, dass auch der Preis (bzw. die entsprechende Berichterstattung) zumindest ein wenig beiträgt, Wissenschaft zu popularisieren (pfui!).
Jedenfalls erscheint es mir etwas billig, einerseits auf den Klub und den Preis hinzuhauen und andererseits auf den Zug aufzuspringen und "zufälligerweise" zeitgleich ein langes Interview zu bringen, weil Herr Grimm ja doch Relevantes zu sagen hat. Sorry, aber sehr glaubwürdig erscheint mir die Argumentation nicht.
GueSt - 2. Feb, 13:42

Hihi,

für Wieselberg/ORF hat er offenbar nochmal überlegt und ist auch zu einer Antwort gekommen: Er hat den Preis gekriegt, weil sein Pressemensch so hübsche Presseaussendungen schreibt. Mit so originellen "Aufhängern". Pfoah.

Und dann kommt auch noch der der pöse Wolf Award und stiehlt allen die Show.

jupe - 2. Feb, 14:50

ergänzung: der link dazu
http://science.orf.at/stories/1638006/
basmati - 3. Feb, 19:09

bitte, das ist sehr interessant:

klaus, wann hast denn du dein interview gemacht? lukas seines schon am montag. grimms schwenk wäre aus meiner sicht nämlich ganz unverständlich, wenn das standardinterview später war.

(obwohl grundsätzliche verwunderung angebracht ist: jetzt wurde ein sehr guter grundlagenforscher ausgezeichnet, davor einige male reine kommunikatoren. wirkt sehr willkürlich und intransparent das ganze.)
taschwer - 3. Feb, 19:30

Am Donnerstag vergangener Woche, also vier Tage vorher. Da geht es übrigens zum Volltext: http://derstandard.at/1263706565292/Interview-Wir-verlieren-an-Wettbewerbsfaehigkeit
Den Schwarzen Peter für den Peter auf der Seite 1 kriegen alle Beteiligten. Ich hab leider nicht mehr auf die Seite geschaut. Trage also auch ein bisschen Mitschuld.
Und warum das Ding in Österreich so groß gespielt wird, hängt natürlich schlicht und einfach daran, dass die Wählenden und die darüber Berichtenden grosso modo die gleichen Personen sind. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Warum er im Standard so groß kam, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Grimm auch forschungspolitisch ein kluger und artikulierter Kopf ist. Der Rest scheint mir dazu gesagt.
GueSt - 2. Feb, 14:54

PreisePreisePreise

sorry, kleiner Chauvie-Ausrutscher, aber: Sowohl Walz als auch Haneke auf der Shortlist. Woha!

via http://www.guardian.co.uk/film/2010/feb/02/oscar-nominations-2010-full-list

GueSt - 2. Feb, 15:00

Bisdudeppert

Für Dollar 975 lernt Euch die NewYork Times das Science-Writing. Cool, wa?

http://www.nytimesknownow.com/index.php/science-writing-with-the-new-york-times/

Spasday

Marti - 2. Feb, 17:31

Mich wundert vor allem, warum über diesen Preis so berichtet wird, als wäre es der Nobelpreis.

jupe - 3. Feb, 14:28

hm.... wenn "wir" den nobelpreis nicht bekommen, dann tun wir einfach so, als würden wir so eine art nobenpreis selber haben.

so in der art vielleicht ? "bläh, ich brauch deinen blöden nobelpreis gar nicht, ich hab selber einen preis... auch einen nobelpreis... oder so. jedenfalls super!"
jupe - 3. Feb, 14:29

peter grimm?

da würd ich mich als wissenschaftler des jahres auch wundern, wenn ich auf der "startseite" der printausgabe des heutigen standards plötzlich PETER heißen würde. wasn da passiert?