Offener Brief zu einem Klubaustritt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

aus Anlass der heute bevorstehenden Generalversammlung des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten möchte ich hiermit nach reiflicher Überlegung und mehrjähriger Mitgliedschaft meinen Austritt aus dem Klub bekannt geben.

Ich bei der Gelegenheit nützen gerne ein paar Gründe für diesen Schritt nennen. Und da diese Gründe nicht nur die Verfehlung der Ziele des Klubs in den vergangenen Jahren betreffen, sondern zum Teil auch die Klubziele selbst sowie und seine Satzungen, scheint mir ein Austritt die einzig mögliche Alternative – zumal beim besten Willen nicht absehbar ist, dass sich angesichts des mitgeschickten Wahlvorschlags am Status quo etwas ändern könnte.

Zu messen ist der Klub und seine Leitung an den Klubzielen, die da zusammengefasst lauten: „Die Sachgebiete Bildung, Schulwesen und Schulreform, Wissenschaft, Hochschulen und Forschung in den Massenmedien wirkungsvoll zu fördern; die berufliche Weiterbildung der Journalisten speziell in der Bildungs- und Wissenschaftsthematik zu unterstützen; Kontakte mit dem Ausland zu schließen, in der Absicht, den notwendigen Vergleich mit den anderen Ländern zu ermöglichen“.

Warum ein JournalistInnenklub zuvorderst die Objekte der Wissenschafts- und Bildungsberichterstattung (nicht dabei ist übrigens die Medizin) „in den Massenmedien wirkungsvoll fördern“ soll, verstehe ich bis heute nicht. Für PR- oder Lobbyisten-Vereinigungen mag das ein legitimes Anliegen sein. Als Journalist sehe ich mein Berufsziel eher in einer fairen, unabhängigen und wenn angebracht: kritischen Berichterstattung im Dienste der LeserInnen/HörerInnen/SeherInnen und damit der Öffentlichkeit.

Jenem völlig überholten PR-Ziel entspricht wohl nicht ganz zufällig die Tatsache, dass in diesem Klub der Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen auch ÖffentlichkeitsarbeiterInnen von PR-Agenturen, Ministerien, Forschungseinrichtungen völlig gleichberechtigte Klubmitglieder inklusive Stimmrecht sind. Nichts, aber auch wirklich nichts gegen all die KollegInnen in diesem Bereich, die zum Teil hervorragende Arbeit leisten. Aber völlig gleichberechtigte Klubmitglieder? Und wie ist das mit dem kooptierten Vorstand?

Das korporatistische Zusammenhalten mag in den Anfangszeiten des Klubs vor fast vier Jahrzehnten noch angegangen sein. Angesichts des enormen Wachstums und der Ausdifferenzierung des Bereichs Wissenschaftskommunikation in den vergangenen Jahren, vor allem aber angesichts der ständigen Bedrohung eines unabhängigen Wissenschafts- Bildungs- und Medizinjournalismus durch alle möglichen Arten der Kooperation halte ich diesen Punkt in den Satzungen für völlig kontraproduktiv.

Diese Problematik wird dann zum Beispiel auch bei Wahl des Wissenschafters/der Wissenschafterin des Jahres manifest. Es tut einer solchen Wahl nichts Gutes, wenn PR-VertreterInnen dabei ForscherInnen ihrer Einrichtungen sowohl vorschlagen wie auch wählen dürfen. (Einmal ganz abgesehen davon, dass diese Wahl weiterhin darunter leidet, dass die Kriterien nach wie vor alles andere als klar sind – geht es um gute WissenschafterInnen oder doch um gute KommunikatorInnen? Dürfen es auch KabarettistInnen sein?)

Im Hinblick auf die Unabhängigkeit und das Selbstbewusstsein dieser journalistischen Interessenvertretung passt es denn auch gut ins Bild, wenn beim Eisstockschießen, dem allem Anschein nach wichtigsten gesellschaftlichen Ereignis des Klubs, die Klub-Mitglieder im Vorjahr halt leider nur die Anfeuerer der Mannschaften der Minister, Wissenschafts- und Bildungsverantwortlichen der Parlamentsparteien und Uni-Rektoren sein durften.

Womöglich erhalte ich nicht immer alle Aussendungen des Klubs, und ich verpasse das Wichtigste. Was die Unterstützung der beruflichen Weiterbildung der Journalisten „speziell in der Bildungs- und Wissenschaftsthematik“ angeht, ist zumindest mir in den vergangenen Jahren ebenso wenig Einschlägiges untergekommen wie in Sachen „Kontakte mit dem Ausland zu schließen“ – außer man rechnet die eher entbehrlichen Mails mit journalistischen Stellenanzeigen aus Deutschland dazu, die bestimmt schon sehr vielen Klubmitgliedern zu neuen Jobs verholfen haben.

Das Verfehlen diese beiden letzten Ziele ist umso bedauerlicher, da sich diesbezüglich gerade in Deutschland mit der Initiative Wissenschaftsjournalismus (die auch ÖsterreicherInnen offen steht) in den vergangenen Jahren ein bestens funktionierendes Netzwerk etabliert hat. Da wird auf vorbildliche Art und Weise Weiterbildung organisiert und mit der alljährlichen Konferenz "Wissenswerte" in Bremen ganz wesentlich zu einer Verbesserung des Niveaus der Wissenschaftsberichterstattung beigetragen. Über den Klub habe ich davon nichts erfahren. Und selbst bei den einschlägigen Veranstaltungen in Österreich wie der SciCom sehe ich den Klub nicht wirklich vertreten. Aber vielleicht ist mir ja auch etwas entgangen.

Den Mitgliedsbeitrag von 22 Euro für 2009 werde noch entrichten. Wozu und weshalb, weiß ich beim besten Willen nicht. Sollte man als Klubmitglied aber.

Vielleicht hätte man es ja auch beim versöhnlichen (Groucho) Marx-Zitat bewenden lassen können, der anlässlich seines Austritts aus dem Friars-Club meinte: I don't care to belong to any club that will have me as a member." Aber so leicht wollte ich es mir dann auch nicht machen.

Mit freundlichen Grüßen,

Klaus Taschwer

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