How to Sex Up Evolutionary Psychology
von taschwer am 29. Jul, 19:50
Oder: warum Frauen vielleicht noch nicht wirklich schöner werden.
Mitunter muss man sich auch über die so genannte englische Qualitätspresse ziemlich wundern. Letzte Woche fiel der Guardian mit einem völlig überzogenen Artikel über die jüngsten und künftigen Segnungen der Synthetischen Biologie eher negativ auf.
Anfang der Woche war es die Times, die vorzeigte, wie man ein recht triviales Forschungsergebnis zu einer einer attraktiven Gummipuppe aufbläst. Oder besser: aufsext, weil es um Evolutionäre Psychologie geht, zu der die britischen Medien ein eher unkritisches Verhältnis pflegen.
Zufällig fand ich heute in der Früh auf der Pinnwand einer attraktiven, zurzeit in Chile beheimateten Facebook-Freundin und professionellen Wissenschaftskommunikatorin den Link zu dem Text mit dem sexy Titel "Women are getting more beautiful" vom "Times"-Science Editor Jonathan Leake und fürchtete schon, ich hätte was Wichtiges verpasst. Die neue Erkenntnis lautete nämlich: Frauen werden immer attraktiver, während Männer immer noch den Höhlenmenschen ähnelten. Passt auch gut zum Darwin-Jahr. Die Beweisführung: Es gäbe eine in der Vorwoche publizierte Studie des Finnen Markus Jokela. Da stünde drinnen, dass attraktive Frauen mehr Kinder hätten. Zitiert würde darin eine andere Studie, dass schöne Eltern mehr Töchter hätten. Und außerdem wissen wir ja alle, dass Schönheit erblich ist. Man zähle zwei und zwei zusammen et voilà: "Frauen werden immer schöner". Klingt in der Tat sexy und wiurde fleißig von zahllosen Medien abgeschrieben und bis zur völligen Unkenntlichkeit entstellt – bzw. bis hin zu krone.at.
Weil bei Times-Artikel keine Quellenangabe dabei ist, nahm ich mit Markus Jokela Kontakt auf. Der schickte mit dann folgenden Link zu seiner Studie, die zwar im Druck, aber noch nicht erschienen ist. Und da steht nichts anderes drinnen, als dass Attraktivität tatsächlich in einem (im Übrigen unerklärten) Zusammenhang zur Reproduktionsrate steht, wie sich zumindest anhand von Fotografien von 1244 US-Amerikanerinnen und 997 US-Amerikanern zeigen ließ, die heute rund um die 70 sind und zum Zeitpunkt des Fotos in etwa 18 Jahre alt waren. Besonders schöne Frauen hatten 6 Prozent mehr Kinder, die nächstschönsten 16 Prozent mehr als die komplementäre Vergleichsgruppe. Bei den Männern fielen nur die besonders hässlichen ab. Voilà, nicht mehr und nicht weniger, wie der Autor auf Nachfrage bestätigte. Entsprechend könne man aus seinen Daten jedenfalls nicht schließen, dass Frauen, sagen wir, in den Siebzigerjahren weniger attraktiv waren also heute, so Jokela.
Aber wer weiß: vielleicht stimmt’s ja trotzdem. Und rein subjektiv würde ich ja sagen...
Mitunter muss man sich auch über die so genannte englische Qualitätspresse ziemlich wundern. Letzte Woche fiel der Guardian mit einem völlig überzogenen Artikel über die jüngsten und künftigen Segnungen der Synthetischen Biologie eher negativ auf.
Anfang der Woche war es die Times, die vorzeigte, wie man ein recht triviales Forschungsergebnis zu einer einer attraktiven Gummipuppe aufbläst. Oder besser: aufsext, weil es um Evolutionäre Psychologie geht, zu der die britischen Medien ein eher unkritisches Verhältnis pflegen.
Zufällig fand ich heute in der Früh auf der Pinnwand einer attraktiven, zurzeit in Chile beheimateten Facebook-Freundin und professionellen Wissenschaftskommunikatorin den Link zu dem Text mit dem sexy Titel "Women are getting more beautiful" vom "Times"-Science Editor Jonathan Leake und fürchtete schon, ich hätte was Wichtiges verpasst. Die neue Erkenntnis lautete nämlich: Frauen werden immer attraktiver, während Männer immer noch den Höhlenmenschen ähnelten. Passt auch gut zum Darwin-Jahr. Die Beweisführung: Es gäbe eine in der Vorwoche publizierte Studie des Finnen Markus Jokela. Da stünde drinnen, dass attraktive Frauen mehr Kinder hätten. Zitiert würde darin eine andere Studie, dass schöne Eltern mehr Töchter hätten. Und außerdem wissen wir ja alle, dass Schönheit erblich ist. Man zähle zwei und zwei zusammen et voilà: "Frauen werden immer schöner". Klingt in der Tat sexy und wiurde fleißig von zahllosen Medien abgeschrieben und bis zur völligen Unkenntlichkeit entstellt – bzw. bis hin zu krone.at.
Weil bei Times-Artikel keine Quellenangabe dabei ist, nahm ich mit Markus Jokela Kontakt auf. Der schickte mit dann folgenden Link zu seiner Studie, die zwar im Druck, aber noch nicht erschienen ist. Und da steht nichts anderes drinnen, als dass Attraktivität tatsächlich in einem (im Übrigen unerklärten) Zusammenhang zur Reproduktionsrate steht, wie sich zumindest anhand von Fotografien von 1244 US-Amerikanerinnen und 997 US-Amerikanern zeigen ließ, die heute rund um die 70 sind und zum Zeitpunkt des Fotos in etwa 18 Jahre alt waren. Besonders schöne Frauen hatten 6 Prozent mehr Kinder, die nächstschönsten 16 Prozent mehr als die komplementäre Vergleichsgruppe. Bei den Männern fielen nur die besonders hässlichen ab. Voilà, nicht mehr und nicht weniger, wie der Autor auf Nachfrage bestätigte. Entsprechend könne man aus seinen Daten jedenfalls nicht schließen, dass Frauen, sagen wir, in den Siebzigerjahren weniger attraktiv waren also heute, so Jokela.
Aber wer weiß: vielleicht stimmt’s ja trotzdem. Und rein subjektiv würde ich ja sagen...


