Ralf Neumann - 17. Feb, 09:30

Blödsinn

Uns vom Laborjournal haben deutschlandweit Evolutionsbiologen um Hilfe gegen Bauer gebeten. Es geht nämlich nicht um Penislängenmessmentalität oder Deutungshoheit. Es geht darum, dass Bauer durch sein komplettes Unverständnis und sein Verdrehen (evolutions-)biologischer Fakten und Erkenntnisse der hiesigen Evolutionsbiologie einen Riesen-Bärendienst erweist. Was Bauer tut, lässt sich in etwa mit einem Fußballspiel vergleichen, dass 10:2 endet, von dem er aber nur die zwei Tore der Verlierermannschaft zeigt und behauptet sie habe 2:0 gewonnen. Er missachtet den Löwenanteil an Daten, die in sein Dr Feelgood-Konzept nicht reinpassen -- und hat zudem grundlegende Dinge über Evolution nicht verstanden .

Folglich hatten wir Axel Meyer gebeten uns auch eine -- gelinde gesagt -- abratende Rezension zu schreiben. Er tat es (siehe Laborjournal 1-2/2009 S. 68; demnächst auch online) -- und nun will Bauer uns verklagen....

Joachim Bauer - 22. Feb, 22:26

Aufschlussreich: Hetzjagd statt Diskurs

So also läuft das Spiel: Ralf Neumann, Chefredakteur des "Laborjournals", behauptet, "deutschlandweit" hätten ihn Evolutionsbiologen um "Hilfe gegen Bauer" gebeten. Und so schreibt Herr Neumann: "Folglich hatten wir Axel Meyer gebeten uns auch eine -gelinde gesagt- abratende Rezension zu schreiben. Er tat es".

Und Axel Meyer, der Ehrenmann aus Konstanz, tat, was ihm seine Auftraggeber aufgetragen hatten, er schrieb eine "gelinde gesagt abratende" Rezension, oder anders ausgedrückt: Er versuchte, das Buch unter den Titel "Nonstop Nonsense" -indem er den Inhalt des Buches absolut verzerrend darstellte- fertigzumachen.

Doch wie es in einem Krimi dem Auftragsmörder passieren kann, so hat auch Axel Meyer einen kleinen, aber dummen, weil entlarvenden Fehler gemacht: Nachdem er einen Satz zitiert hat, dessen Fundstelle er korrekt auf "S. 27-28" angibt, fährt Axel Meyer fort: "Bald danach habe ich aufgehört zu lesen."

Rezensent Axel Meyer, der seine Rezension mit "Lehrstuhl für Evolutionsbiologie, Konstanz" unterschrieb, verreißt also ein Buch, das er nur bis zur Einleitung gelesen hat. Und das "Laborjournal" war sich nicht zu gut, eine solche "Rezension" zu drucken. Aber um Rezension ging es ja auch gar nicht, sondern darum, dass "deutschlandweit Evolutionsbiologen um Hilfe gegen Bauer gebeten" hatten - was für eine Lachnummer!

Meine Forderung an das "Laborjournal", aus Fairnessgründen gegen Herrn Meyers "Rezension" eine Gegenposition formulieren zu können, wurde von Herrn Neumann abgelehnt. Logisch, dass eine Sache, die derartig unanständig gelaufen ist, so nicht auf sich beruhen kann - schliesslich gibt es ein Presserecht.

Joachim Bauer
Lena Waider - 23. Feb, 15:57

Viel Polemik

Mir wird die ganze Debatte viel zu polemisch geführt. Kreationismus und ID dürften sich mittlerweile die Hände reiben.

Bauer will mit seinem Buch das Ende des Darwinismus einläuten. Genau das kann ich darin überhaupt nicht erkennen. Bauer geht es im Wesentlichen darum, wie neue Variation entsteht. Ich vermute, man wird in der Hinsicht noch ganz häufig neue Mechanismen entdecken, die unser Weltbild erweitern werden. Die rütteln aber nicht an den grundsätzlichen Prinzipien der Darwinschen Evolutionstheorie.

Bauer stört sich z. B. am der Vorstellung der kleinen Veränderungen, die kummulativ zu neuen Arten führen. Auch die von Bauer erwähnten Mechanismen bewirken jedoch lediglich relativ kleine Veränderungen. Da ist keine dabei, die mal eben einen Elefanten entstehen lässt.

Für meinen Geschmack schreibt Bauer zu sehr aus einer politischen Intention heraus: Egoismus ist mies, Kooperation dagegen gut. Hilfreich wäre es für ihn demgemäß, schon in den Genen eine entsprechende Präferenz von Kooperation gegenüber Egoismus nachweisen zu können.

Auf der anderen Seite scheint mir das gezielte Schreiben von negativen Rezensionen, nur weil man mit bestimmten Aussagen nicht einverstanden ist, auch nicht die feine englische Art zu sein.

Bei der ganzen Auseinandersetzung wird leider eine kleine stille Revolution übersehen, die längst woanders stattfindet, nämlich die Systemische Evolutionstheorie gemäß Mersch. Die kann aus den gleichen einheitlichen Prinzipien heraus sowohl die Evolution der Biologie, der Technik, der Wissenschaften als auch die Evolution des Melodienpools der neuseeländischen Lappenstare erklären, die Dawkins als Begründung für seine Memetik anführt.

Mersch führt neben der Fitness den Begriff des Reproduktionsinteresses als weiteren Parameter in die Systemische Evolutionstheorie ein. Individuen sind gemäß ihm also nicht nur egoistisch, sondern unterschiedlich egoistisch. Damit scheinen sich aber viele Probleme der Evolutionsbiologie in Luft aufzulösen.
Joachim Bauer - 23. Feb, 17:51

Ein weiteres Beispiel für Rezensions-Nonsense

Der Rezensent/ die Rezensentin mit dem Namen "Lena Waider" hat sich bei Amazon mit zahlreichen Besprechungen von einerseits pornografischen Büchern (kein Spaß!), andrerseits von Büchern zum Thema Evolutionsbiologie einen Namen gemacht. Mit einer derart breiten Allround-Kompetenz kann ich nicht mithalten. Auffallend ist, dass sich in so gut wie jeder Besprechung eines Evolutionsbuches durch L.W. eine Empfehlung eines (unsäglichen) Buches eines Herr Peter Mersch über Evolution findet. Auch dieser Herr Mersch verfügt über Breitband-Kompetenzen. So hat er u. a. auch Bücher über die Behandlung von Kopfschmerzen und gegen die Emanzipation der Frau verfasst. Machts gut, Freunde, ich verabschiede mich von diesem Narrentreffen!
Lena Waider - 24. Feb, 10:14

Ein weiteres Beispiel dieser unerträglichen Polemik

Da schreibt Bauer zwar Bücher über Kooperation, das Prinzip Menschlichkeit etc., doch ansonsten schlägt er gnadenlos mit seiner Polemik zu. Hierdurch entwertet er viele seiner Aussagen.

Gemäß Lebenslauf litt Mersch bis fast zum 40. Lebensjahr unter chronischer Migräne, konnte sich dann aber selbst heilen. Darüber schrieb er ein Buch. Darf er das? Ich denke schon.

Gegen die Emanzipation hat er kein Buch verfasst, sondern lediglich gegen den Gleichheitsfeminismus, der mit vielen biologischen Erkenntnissen nicht vereinbar ist (und der sich nicht ohne Grund auch "antibiologistischer Feminismus" nennt). Sein Familienmanager-Modell zur Behebung unserer Familienproblematik ist m. E. klar dem Differenzfeminismus zuzurechnen.

Ansonsten kommt Mersch eher aus der Demografie als aus der Biologie. An einer Stelle schreibt er, dass er schon bald auf das demografisch-ökonomische Paradoxon und das "Central Theoretical Problem of Human Sociobiology" stieß und sich die Frage stellte, wie es sein kann, dass zwar Darwin die natürliche Selektion als Evolutionsprinzip postulierte (besser angepasste Individuen hinterlassen mehr Nachkommen), dieses in modernen menschlichen Gesellschaften aber offenbar nicht gilt (diejenigen, die in der Lage sind, mehr soziale oder ökonomische Ressourcen zu erlangen, hinterlassen weniger Kinder).

Wie Untersuchungen andeuten, liegt dies wohl maßgeblich an dem mit der sozialen Fitness zurückgehenden Kinderwunsch (Fortpflanzungsinteresse).

Mersch verfügt somit über modernere (allgemeinere) demografische Kenntnisse als Darwin, der seine Theorie maßgeblich auf den Demografen Malthus stützte.

Er führt deshalb die von mir bereits beschriebenen Änderungen in seine Systemische Evolutionstheorie ein, und die hat gravierende Auswirkungen (die von ihm neu eingeführte Interessenvariable wird ja implizit auch von Darwin und Dawkins verwendet, aber eben nur implizit). Ich persönlich halte seine Theorie für einen entscheidenden Durchbruch bei den Evolutionstheorien. Er berichtet nicht von irgendwelchen wissenschaftlichen Ergebnissen, für die schon längst Nobelpreise verteilt wurden, sondern von einer veränderten Evolutionstheorie (einer Eigenleistung), mit der sich wohl erstmalig alle eigendynamischen Evolutionen einheitlich erklären lassen. So etwas halte ich für sehr wesentlich. Beispielsweise kann er tatsächlich die Evolution der Melodien der neuseeländischen Lappenstare vollständig Mem-frei mittels seiner Theorie erklären. Selbstverständlich verweise ich dann in meinen Rezensionen auch auf dieses Buch: Viele Biologen und Soziobiologen (auch Dawkins) haben immer wieder versucht, die eigenen biologischen Theorien auf Phänomene menschlicher Gesellschaften auszuweiten. Gegenüber Mersch scheinen mir diese Versuche aber alle gescheitert zu sein. Warum sollte ich bei einem Buch, was z. B. mal wieder die Memetik ins Spiel bringt, nicht darauf hinweisen, dass diese im Grunde durch Merschs Theorie obsolet wurde?

Bei Ihnen (Joachim Bauer) kritisiert niemand, dass Sie Bücher zur Schule, zu Spiegelneuronen, zur Menschlichkeit, zur Evolutionstheorie schreiben, bei anderen halten Sie "Breitband-Kompetenzen" dann aber für ein Problem. Was soll das?

Und dass ich in meiner Freizeit - als Biologin - auch noch gerne Erotikliteratur lese und die dann ebenfalls rezensiere, geht Sie nun wirklich absolut nichts an. Das ist dann nicht nur polemisch, sondern auch noch niveaulos.
Ralf Neumann - 24. Feb, 11:23

Stimmt nicht, Herr Bauer!

Lieber Herr Bauer,

ich gebe zu, ich habe mich unglücklich ausgedrückt. Deutsche Evolutionsbiologen haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass es da ein neues Buch gibt -- nämlich Ihres --, dass nach deren Meinung der hiesigen Evolutionsbiologie großen Schaden zufügen könnte. Also haben wir einen von ihnen -- nämlich Herrn Meyer, der NICHT zu den obigen "Alarmschlägern" gehörte -- gefragt, ob er für uns Ihr Buch rezensieren könnte. Dadurch kam er erst auf die Idee, das Thema auch für seine Handelsblatt-Kolumne zu verwenden. Jetzt erscheint das Handelsblatt aber öfter und schneller als wir, so dass seine Rezension dort früher gedruckt wurde. Und von dem Moment war uns klar, dass seine Laborjournal-Rezension natürlich ebenfalls von der Lektüre Ihres Buches abraten würde. Wie gesagt, um die Sache abzukürzen wurde das von mir unglücklich ausgedrückt.

Ebenfalls nicht glücklich ausgedrückt hat sich Herr Meyer. Seien Sie versichert, er hat ihr Buch definitiv bis zu Ende gelesen! Im Artikel wollte er lediglich ein wenig zuspitzen nach dem Motto: Von da ab ist klar, wie es weitergeht -- und wer bis hierher inhaltlich nicht einverstanden ist, wird auch auf den folgenden Seiten nichts erleben, was ihn umstimmen könnte. Das ist unserer Meinung nach Rezensentenrecht. Jetzt aber penetrant darauf herumreiten, dass Herr Meyer nur die Einleitung gelesen hat, entspricht nicht den Fakten.

Falsch hingegen ist, dass Ihre Forderung aus Fairnessgründen gegen Herrn Meyers "Rezension" eine Gegenposition formulieren zu dürfen von mir abgelehnt wurde. Ich habe in der Angelegenheit bis heute nicht mit Ihnen zu tun gehabt, da die Buchbesprechungen nicht von mir betreut werden. So hierarchisch, dass Entscheidungen der Redaktion mit dem Namen des Chefredakteurs gleichgesetzt werden können, arbeiten wir nicht (auch wenn ich formal v.i.S.d.P. bin). Bei uns gelten hingegen eher Ihre Prinzipien: Kooperativität, Kreativität und Kommunikation....

P.S.: Ich frage mich allerdings, ob das alles noch in diesen Blog gehört...
hihi - 24. Feb, 20:52

mir scheint…

da haben sich ein paar in der tür geirrt…
Bonobo - 11. Mai, 12:34

Leider sehr lächerlich, Herr Bauer

Mit Person und Werk Joachim Bauers hatte ich mich bislang nicht beschäftigt - aber das Gift, das er in diesem Thread versprüht, sagt genug über ihn aus, um nicht viel mehr wissen zu wollen.

Am lächerlichsten ist ja wohl Bauers medieninkompetente Prozesshanselei. Zu glauben, man könne man sich gegen eine unliebsame Rezension für eine Gegenrede einklagen, "schließlich gibt es ein Presserecht", so Bauer... Von welchem Planeten kommt der eigentlich? Nicht zu fassen.
Lena Waider - 26. Mai, 00:05

Joachim Bauer: "(unsägliches) Buch"

Falls es noch interessieren sollte: Mersch hat Teile (insbesondere die Systemische Evolutionstheorie) seines von Joachim Bauer als unsäglich bezeichneten Buches "Evolution, Zivilisation und Verschwendung" bei Google-Knol eingestellt, z. B. in diese Sammlung: http://knol.google.com/k/peter-mersch/systemische-evolutionstheorie-sammlung/6u2bxygsjec7/27

Dort hat sich dann zum ersten Mal ein gestandener Biologe die Mühe gemacht, sich durch seine Systemische Evolutionstheorie zu arbeiten, nämlich der in Australien lebende und arbeitende Clarke-Medaillengewinner Prof. Dr. Dr. Klaus Rohde (http://en.wikipedia.org/wiki/Klaus_Rohde). In der Folge hat er ein 5-seitiges Gutachten über die Theorie erstellt (http://knol.google.com/k/klaus-rohde/systemische-evolutionstheorie-kritische/xk923bc3gp4/111).

Sein Fazit: "Abgesehen von diesen Punkten scheint mir die Systemische Evolutionstheorie tatsächlich wichtig zu sein. Sie gibt eine elegante umfassende Erklärung der Evolution vieler Systeme, biologischer und gesellschaftlicher (im weitesten Sinne). Der Darwinismus lässt sich als Sonderfall aus dieser Theorie ableiten. Sie verdient, in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Die Annahme von die Evolution vorantreibenden eigendynamischen Evolutionsakteuren im Gegensatz zu rein passiv selektierten Einheiten steht im Einklang mit neueren theoretischen Erkenntnissen, die die Selbstorganisation komplexer Systeme für einen wesentlichen Evolutionsfaktor halten."

Unsäglich können wir also vergessen. Ich wäre gut, wenn sich nun langsam auch einmal andere mit der Theorie beschäftigen, denn sie besitzt meiner Meinung nach viele viele Vorteile gegenüber der klassischen Darwinschen Theorie.

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