WSD war ein begnadeter Wissenschaftskommunikator

Wendelin Schmidt-Dengler ist tot, und halb Österreich trauert, noch dazu ziemlich aufrichtig, wie mir scheint. Den Wiener Germanistikprofessor werden viele vermissen, auch die Journalisten. Ich habe ihn, wenn ich das recht sehe, nur zweimal interviewt, aber sapperlott, das hat Spaß gemacht. WSD hatte etwas zu sagen und tat das bunt, anschaulich und angenehm angriffig. Für ein Lob des Streits war er im konsensual gestimmten Österreich der erste Ansprechpartner. So genau weiß ich das natürlich nicht mehr, aber ich glaube, ich musste da kaum was redigieren oder in Form bringen. Und wenn er wie http://www.falter.at/web/heureka/archiv/00_2/09.php über den Campus-Roman sprach, lernte man noch jede Menge mehr. Gerade den GSK wird WSD besonders fehlen.
taschwer - 10. Sep, 00:40

Ich hab ihn das letzte Mal Anfang des Jahres interviewt, nachdem er von den Wissenschaftsjournalisten zum Wissenschafter des Jahres gewählt wurde (natürlich auch mit all den Punkten, die ich zu vergeben hatte). Hab das zum Teil in den Nachruf im "Standard" http://derstandard.at/Text/?id=1220457648915 eingearbeitet - und kann Nobility nur zustimmen.
WSD war in jeder Hinsicht ein Vorbild: geistreich, uneitel, polyglott, produktiv, originell, verlässlich, unbestechlich. Jemand, der sich auch nie scheute, die Großen und Mächtigen des Kultur- und Unibetriebs zu kritisieren, wenn es nötig war. Und der trotzdem von allen hoch geschätzt wurde, obwohl er es nicht darauf anlegte. Allerhöchster Respekt und tiefe Verneigung vor einem ganz Großen!