Lange Nacht der Frustrierten

Die Lange Nacht der Forschung entwickelt sich zur Langen Nacht der Frustierten. Letzte Woche wurde in Wien das Konzept vorgestellt und die Gesichter wurden immer länger: 680.000 Euro gibt es - für Werbung, Medienkooperation und die PR-Agentur von Paul Glück (siehe dazu die Ätzes von Taschwer). Die Institute, die mitmachen, erhalten gar nix. NULL Euro. Aber noch besser: Sie müssen sich sogar einem Auswahlverfahren stellen. Am Tag drauf kochte die Stimmung bei einem Uni-PR-Treffen. Bin echt gespannt, wer da noch mitmacht.
Kleine Einschränkung: ich habe die Infos von anderen, die dabei waren. Rufe deshalb zur Diskussion (und/oder Bestätigung) auf.
jupe - 13. Mrz, 23:26

Ich war bei der Präsentation und ich kann bestätigen, dass viele Fragen offen geblieben sind. Gerade, was die Finanzierung angeht. Wobei, das stimmt nicht ganz: die Finanzierung ist offen, die Fragen diesbezüglich nicht. Es wurde klar gestellt, dass es keine Finanzierung für eingereichte Projekte geben wird - auch zum Beispiel deshalb nicht, um gleich im Vorfeld keine Vorwürfe von Ungerechtigkeiten aufkommen zu lassen. Also bekommt keineR was.

Was mich persönlich ein wenig irritiert ist die Zusammensetzung der Jury. Einige Institutionen, die, wie ich mir denke, Themen/Stationen einreichen werden, sind auch in der Jury vertreten. Wie ist das dann? Setzen diese VertreterInnen dann bei der Beurteilung aus? Ich denke schon, oder?

Ich finde es eigentlich schade, dass es jetzt, wo es die Lange-Nacht-der-Forschung wieder geben wird, so viele Kritikpunkte gleich von Anfang an gibt und dass es eigentlich wenige gibt, die sich darüber freuen. Warum ist das so? Ist diese Initiative nicht eigentlich schon eine gute Möglichkeite der Wissenschaftskommunikation? Warum ätzen wir also so viel herum? Ist es, weil diesmal eine andere Agentur die Zusage bekommen hat, und der kleine Kreis der WissenschaftskommunikatorInnen das nicht verkraftet (ich ertappe mich auch immer wieder beim Sammeln seltsamer Punkte diesbezüglich)? Oder ist es deshalb, weil eine Agentur mit der Durchführung betraut wurde, die sich noch nicht im Feld der Wissenschaftskommunikation betätigt hat und daher aus der guten Sache eine reine "PR-Gschicht" macht? Oder ist es tatsächlich deshalb, weil es so viele Ungereimtheiten gibt und so wenig Geld????

FranzKien - 18. Mrz, 15:57

Es lebe Peter R.!

Es ist bedauerlich, dass es trotz der Beteiligung von mittlerweile 3 Ministerien, spitzere Zungen behaupten eben gerade deshalb, nicht gelingen mag, eine auf Dauer erfolgreiche, österreichweite Großveranstaltung zum Thema Wissenschaftskommunikation auf die Beine zu stellen.

Am Anfang (2000-2003) war da Peter R. mit seiner Science Week , einer bemühten, in keiner Weise perfekten, finanziell immer knappen, aber sehr bemühten und insgesamt echt netten Veranstaltung. Wohlgemerkt waren die Science Weeks (SW) österreichweit ausgeschrieben und wurden auch von Seiten der Organisatoren mit vollem Engagement betrieben. Es gab kein Geld für die Universitäten, aber auch kein Callverfahren.

Nach dem bewussten Kill der Science Week durch das ins Spiel gekommene bm:vit , endlosen Diskussionen um die eventuellen Nachfolgeveranstaltungen, wurde im Herbst 2005 die erste und bislang letzte (ich glaube fast nicht daran, dass es die LNDF 2008 wirklich geben wird) abgehalten. Da gab's dann Geld für die Haupt-Projektbetreiber (Unis), dafür aber auch schon ein Callverfahren. Man könnte diese Kombination als eine leichte Form eines Qualitätsmanagements betrachten, zumindest in der Theorie. Und weil das Geld knapp war, gabs die LNDF nur in drei Städten Österreichs. Summa summarum war die LNDF 2005 jedoch durchauss ok, wenn auch verbesserungsfähig.

Was aber für 2008 geplant ist, wird den bestrittenen Weg nicht fortsetzen können. Nur drei Städte, dafür aber Call und kein Geld für die projektbetreibenden Universitäten sind eine ungünstige Kombination.

Es hat den Anschein, als sei die geplante Veranstaltung nur ein Vehikel für ein Lippenbekenntnis zur Wissenschaftskommunikation. Sprich, es wrid etwas organisiert, um nacher sagen zu können, dass man es getan hat. Und dabei verdienen noch einige ganz gut.

Die 680.000 Euro, das unermüdliche Engagement von Peter R. und die Professionalität von Science Commnications, das wär ein Rezept, das durchaus erfolgversprechend wäre...