Jahr der Mathematik: Betstunde für Fromme

Die Wissenschaftsjahre erreichen genau jene Personen, die eh schon überzeugt sind. Der Mathematik soll im Jahr 2008 zu mehr Publicity verholfen werden. Der Wissenschaftssoziologe Peter Weingart hat im Auftrag des deutschen Bundesforschungsministeriums die verschiedenen Formate der Wissenschaftskommunikation international verglichen (schreibt die ZEIT). Bislang unveröffentlicht. Eh klar.
5 Millionen Euro wird in das Mathejahr hineingesteckt, damit die Bevölkerung kapiert: Mathematik ist gut und wichtig. Typisch top down.
Irgendwie wiederholt sich alles: Hauptzielgruppe sind Schüler und Lehrer (siehe Sparkling Science in Österreich, Lange Nacht der Forschung und andere Rohrkrepierer)
Nett für die PR-Agenturen, ein enormer Aufwand für die Forschungsinstitutionen. Ich habe die besten (langfristigen) Erfahrungen gemacht mit Gruppen/Institutionen, für die wir gemeinsam unspektuläre Führungen/Exkursionen/Laborübungen durchgeführt haben. Die haben von sich aus sich jedes Jahr gemeldet. Und ich habe selten so "geforderte und happy Kids " gesehen.
Chris - 19. Jan, 19:54

Wieso kommt mir das bekannt vor?

;-)
Nein, mal im Ernst, was er gesagt hat, war auch schon meine (und die vieler andere) Erkenntnis und Meinung.
Vielen Dank für den Tip zum Zeitartikel.

Und ja, wenn diejenigen das von sich aus wollen, ist es immer besser, als wenn es von oben aufgezwungen wird!

Marti - 20. Jan, 12:12

Ich finde es ja immer wieder lustig, dass man die Leute erst überzeugen muss, dass Mathe wichtig ist. Den Zweiflern bräuchte man doch nur einen Tag Computer und Handy wegnehmen und dann fragen, ob sie die Mathematik immer noch für unwichtig halten ;-) Aber im Ernst: Ich verstehe die Argumente von gigge. Viele PUSH-Initiativen wirken irgendwie ein wenig an der Sache vorbei und kosten viel. Abschaffen würde ich sie deshalb jedoch nicht gleich: Sie stecken noch relativ in den Kinderschuhen, es gilt aus den Erfahrungen zu lernen und besser zu werden - wie es auch im ZEIT-Text für die Wissenschaftsjahre angesprochen wird.

taschwer - 20. Jan, 21:45

Evaluationskriterien

Dnke für den Hinweis zum ZEIT-Text. Mal schauen, ob Weingart was sagt, oder sagen darf. Weil in dem Bereich Standards zu setzen, auch was die Evaluationskriterien sind, wär schon wichtig. Ich erinnere nur an die Evaluierung der letzten innovatives-oesterreich-Kampagne, um mich gleich noch einmal in den Geruch zu bringen, alte Sch.... aufzukochen. Aber in der Evaluierung war ja tatsächlich gleich zu Beginn euphorisch davon die Rede, dass die Kampagne "mindestens 267.500 BesucherInnen" erreicht habe. Was nicht schlecht klingt, aber schlicht falsch war. Bei der größten Veranstaltung, der "Langen Nacht der Forschung" wurden von den EvaluatorInnen die BesucherInnen (knapp 15.000) mit der Anzahl der Besuche der Stationen (58.000) verwechselt. Und wie man bei zwei von innovatives-oesterreich.at finanzierten Konferenzen in Linz auf 144.000 Teilnehmer kam, konnte sich auch Gerfried Stocker, ihr Veranstalter und Leiter des Ars Electonica Center (AEC) in Linz, nicht erklären. "Womöglich hat man da alle AEC-Besucher in zwei Jahren mitgezählt", meinte er auf meine Anfrage. Bei den Konferenzen seien höchstens tausend Besucher gewesen.
Und flugs haben sich zwei Drittel der mit Wisenschaft direkt Beglückten in Luft aufgelöst. Geht man von 100.000 aus, so hat deren Beglückung immerhin pro Nase 120 Euro gekostet. (Besonders viel Geld freilich schaute pro Person für die TeilnehmerInnen des Lehrgangs Scimedia heraus, die in der Statistik auch mitgezählt werden;-)

jupe - 21. Jan, 07:29

wo bleibt eigentlich der nächste teil des innovativen österreichs? weiß wer was? (bzw: darf wer was sagen?)
gigge - 25. Jan, 12:49

Eine Abrechnung mit 6 Voruteilen

In der aktuellen ZEIT (Ausgabe 05/08) sind mehrere Beiträge zu(m) (Jahr der) Mathematik.
http://www.zeit.de/2008/05/Mathejahr