Wissenschaft ausstellen ist schwer > Fortsetzung
von Nikola Langreiter am 16. Aug, 14:11
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Kritische Stimmen (z. B. Dieter Simon/der angegführte link ist leider tot) weisen darauf hin, dass heute ein Verstehen wissenschaftlicher Inhalte nicht mehr zu fordern sei und Popularisierung kein Ziel. Viele PUSH-Aktionen geraten zu Werbekampagnen, die KonsumentInnen Wissenschaft und Technik näher bringen sollen. Museen und Ausstellungen lavieren in Zusammenhang mit Wissenschaft zwischen Event und „Belehrungsschau“.
Lepenies’ Ideal ist das „Konstruktruktivistische Museum“. Dieses Museum ist reflexiv und kontextualisiert. Seinen KuratorInnen ist bewusst, dass das präsentierte Wissen begrenzt und vorläufig ist und: Sie machen dieses Bewusstsein deutlich. Den Wissenskorpus stellen sie immer in bestimmte Kontexte, zu diesen gehören auch BesucherInnen (die Bedeutung von BesucherInnenforschung und Evaluation wird deshalb im Buch auch skizziert).
Als Lernort kann das Museum nur funktionieren, wenn es sich am Publikum orientiert – andernfalls ist es fusty, musty, dusty/muffig, modrig, verstaubt. Genauso wie nordamerikanische MuseumsverweigererInnen das vermuten (die Visitor Studies sind dort fortgeschritten, beziehen Nicht-Gäste ein).
Wissenschaft ausstellen ist schwer. Lepenies und ihr Team fanden immerhin Vorbilder – vor allem in der Museumsarbeit Otto Neuraths und in der Museumskritik Pierre Bourdieus. Neurath gründete 1925 das „Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum“ und wurde damit zum europäischen Pionier des Wissenschaftsmuseums. Sein Museum sollte allen „zum Lernen und Vergnügen“ zugänglich sein und als „Volksbildungsinstitut für soziale Aufklärung“ im Roten Wien dienen. Pierre Bourdieu arbeitete sich Ende der 1960er Jahre am Kunstmuseum ab und kritisierte scharf dessen Ideologie der Kontextfreiheit.
Bevor Lepenies Einblicke in die Gestaltung ihrer eigenen Ausstellung gibt, beschreibt sie die Basics eines „Konstruktivistischen Wissenschaftsmuseums“. Als prinzipielle Herangehensweise empfiehlt sie einen ethnografischen Ansatz. Das Museum solle Bühne nicht Speicher sein, Forum nicht Tempel, und es soll erzählen. Objekte zu kontextualisieren heißt, sie in Umgebung zu zeigen und so mehrere Lesarten vorzuschlagen, unterschiedliche Perspektiven auf das Gezeigte zu ermöglichen und mehr als eine Wahrheit zu präsentieren. Es kommt eher darauf an, „‚science in the making’ vorzuführen, als abgeschlossene und unantastbare Ergebnisse wissenschaftlichen Forschens“ (31).
Der Bildteil in der Mitte des Bandes mit Szenen aus „Alt & Jung“ ist misslungen – die Fotos sind schlecht, und dass im Text zu ihnen keine Bezüge hergestellt werden frustriert. Hilfreich hingegen sind Personen- und Sachregister sowie eine ausführliche Literaturliste zu sämtlichen angesprochenen Aspekten des Ausstellens/Musealisierens von Wissenschaft und zum Thema Generationen. Darunter finden sich Museologie-Klassiker wie Alfred Lichtwark genauso wie (2003) aktuelle Arbeiten über PUSH und Museum, vor allem aus dem angloamerikanischen Raum.
Lepenies, Annette: Wissen vermitteln im Museum (= Schriften des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, 1). Köln-Weimar-Wien: Böhlau2003, 212 S., EUR 24,90, ISBN 3-412-18102-1.
Kritische Stimmen (z. B. Dieter Simon/der angegführte link ist leider tot) weisen darauf hin, dass heute ein Verstehen wissenschaftlicher Inhalte nicht mehr zu fordern sei und Popularisierung kein Ziel. Viele PUSH-Aktionen geraten zu Werbekampagnen, die KonsumentInnen Wissenschaft und Technik näher bringen sollen. Museen und Ausstellungen lavieren in Zusammenhang mit Wissenschaft zwischen Event und „Belehrungsschau“.
Lepenies’ Ideal ist das „Konstruktruktivistische Museum“. Dieses Museum ist reflexiv und kontextualisiert. Seinen KuratorInnen ist bewusst, dass das präsentierte Wissen begrenzt und vorläufig ist und: Sie machen dieses Bewusstsein deutlich. Den Wissenskorpus stellen sie immer in bestimmte Kontexte, zu diesen gehören auch BesucherInnen (die Bedeutung von BesucherInnenforschung und Evaluation wird deshalb im Buch auch skizziert).
Als Lernort kann das Museum nur funktionieren, wenn es sich am Publikum orientiert – andernfalls ist es fusty, musty, dusty/muffig, modrig, verstaubt. Genauso wie nordamerikanische MuseumsverweigererInnen das vermuten (die Visitor Studies sind dort fortgeschritten, beziehen Nicht-Gäste ein).
Wissenschaft ausstellen ist schwer. Lepenies und ihr Team fanden immerhin Vorbilder – vor allem in der Museumsarbeit Otto Neuraths und in der Museumskritik Pierre Bourdieus. Neurath gründete 1925 das „Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum“ und wurde damit zum europäischen Pionier des Wissenschaftsmuseums. Sein Museum sollte allen „zum Lernen und Vergnügen“ zugänglich sein und als „Volksbildungsinstitut für soziale Aufklärung“ im Roten Wien dienen. Pierre Bourdieu arbeitete sich Ende der 1960er Jahre am Kunstmuseum ab und kritisierte scharf dessen Ideologie der Kontextfreiheit.
Bevor Lepenies Einblicke in die Gestaltung ihrer eigenen Ausstellung gibt, beschreibt sie die Basics eines „Konstruktivistischen Wissenschaftsmuseums“. Als prinzipielle Herangehensweise empfiehlt sie einen ethnografischen Ansatz. Das Museum solle Bühne nicht Speicher sein, Forum nicht Tempel, und es soll erzählen. Objekte zu kontextualisieren heißt, sie in Umgebung zu zeigen und so mehrere Lesarten vorzuschlagen, unterschiedliche Perspektiven auf das Gezeigte zu ermöglichen und mehr als eine Wahrheit zu präsentieren. Es kommt eher darauf an, „‚science in the making’ vorzuführen, als abgeschlossene und unantastbare Ergebnisse wissenschaftlichen Forschens“ (31).
Der Bildteil in der Mitte des Bandes mit Szenen aus „Alt & Jung“ ist misslungen – die Fotos sind schlecht, und dass im Text zu ihnen keine Bezüge hergestellt werden frustriert. Hilfreich hingegen sind Personen- und Sachregister sowie eine ausführliche Literaturliste zu sämtlichen angesprochenen Aspekten des Ausstellens/Musealisierens von Wissenschaft und zum Thema Generationen. Darunter finden sich Museologie-Klassiker wie Alfred Lichtwark genauso wie (2003) aktuelle Arbeiten über PUSH und Museum, vor allem aus dem angloamerikanischen Raum.
Lepenies, Annette: Wissen vermitteln im Museum (= Schriften des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, 1). Köln-Weimar-Wien: Böhlau2003, 212 S., EUR 24,90, ISBN 3-412-18102-1.


